BIOHOF 7

Rindfleisch-Direktvermarktung Schernebeck – Öko-Rindfleisch direkt vom Erzeuger

Biohof 7 nennt Ariane Herms ihre Hofstelle in Schernebeck. Das Dörfchen befindet sich in der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte unweit der Bundesstraße 189. Sie hat zusammen mit ihrer Familie das Gehöft im Jahr 2003 erworben. Seitdem saniert sie das Anwesen und kümmert sich im Nebenerwerb um ihren kleinen landwirtschaftlichen Betrieb. Im Mittelpunkt steht dabei eine Mutterkuhherde. Dieser Betrieb wird derzeit mithilfe von LEADER kräftig ausgebaut und erweitert.

Familie Herms möchte in Zukunft ihr erzeugtes Rindfleisch selbst schlachten und als Qualitätsprodukt vermarkten. Bislang erzeugt sie hochwertiges Bio-Fleisch durch extensive und artgerechte Mutterkuhhaltung mit den Rassen Angus, Wagyu und Charolais. Das heißt: Die Kühe leben in einer Herde auf der Weide und sollen möglichst ein gesundes Kalb pro Jahr zur Welt bringen. Sie werden nicht gemolken, sondern die Kälber saugen bei der Mutter etwa neun Monate lang bis sie abgesetzt und nach anschließender Weidemast zur Fleischvermarktung genutzt werden. Diese Absetzer und Schlachttiere gibt Familie Herms derzeit noch an Händler außerhalb der Region ab. Das soll sich ab Ende 2017 ändern.

An dem Standort der ehemals stark baufälligen Scheune des Vier-Seiten-Hofes entsteht nun ein Direktvermarktungsbetrieb mit Schlacht- und Zerlegeraum sowie Kühlzelle, Räucherkammer und Hofladen. Die Kühe können ohne Transport stressfrei direkt von der benachbarten Weide zum Schlachten geführt werden. Das anschließende Abhängen derRinderviertel in der Kühlkammer dient zur Fleischreifung und ist für eine gute Fleischqualität von großer Bedeutung. Die Fleischzerlegung und Wurstproduktion erfolgt individuell nach Kundenwunsch. Die Produkte werden einzeln vakuumiert und etikettiert.

Derzeit ist der Rohbau fertig. "Im kommenden Jahr sind Fertigstellung sowie Eröffnung geplant", sagt Ariane Herms. Ein neuer Arbeitsplatz wird entstehen. Zur Eröffnung des Hofladens soll ein großes Hoffest stattfinden. Langfristig sind weitere Aktionen geplant. "Wir stellen uns vor, dass Veranstaltungen zu verschiedenen Themen wir Mutterkuhhaltung, ökologische Landwirtschaft, Kochen mit Rindfleisch, eventuell auch kulturelle Beiträge wie Lesungen im Hofladen stattfinden", sagt Herms. Die Bio-Bauern wollen jedoch nicht nur ausschließlich das Fleisch aus ihrer eigenen Herde vermarkten, sondern auch das eines kooperierenden Bauern aus der Region. "Damit stellen wir eine kontinuierliche Fleischversorgung bei entsprechender Nachfrage sicher."

Familie Herms setzt mit ihrer Idee der Direktvermarktung von selbst produziertem Fleisch auf einen gegenläufigen Trend in der Branche. Es ist eine immer stärkere Konzentration und Industriealisierung bei der Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmitteln zu beobachten. Dies trifft insbesondere die Schlachtbranche als zentrales Glied in der Wertschöpfungskette für Fleisch. Die Tiere werden stundenlang in weit entfernte Schlachthöfe transportiert, wo sie häufig großem physischen und psychischen Stress ausgesetzt sind. Das wirkt sich letztlich auch negativ auf die Fleischqualität aus.

Daneben gibt es eine größer werdende Anzahl von Kunden, denen die Qualität ihrer Nahrung etwas Wert ist – und die auch die Herkunft im Auge hat. Diese möchten Ariane und Lutz Herms mit ihren Produkten erreichen. "Wir setzen mit unserer Idee auf die Erhöhung des Selbstversorgungsgrades, die Wertschöpfung in unserer Region sowie eine Verbesserung der Beziehung zwischen Verbraucher und Landwirt", sagt Ariane Herms. Und LEADER hilft ihnen dabei.

Drei Fragen an...
...die Gründerin der Rindfleisch-Direktvermarktung in Schernebeck, Ariane Herms

Wie kamen Sie auf die Idee zum Projekt?
Ariane Herms: Die regionale Vermarktung unserer Weiderinder und der von anderen ökologisch wirtschaftenden Landwirten aus unserer Region ist eine Idee, die uns schon seit einiger Zeit beschäftigt. Die Idee ist logische Konsequenz, wenn man ökologisch wirtschaftet und das Tierwohl, die kurzen Wege von der Erzeugung bis zur Vermarktung, die Nähe zum Kunden in den Fokus rücken. Es ist für uns wichtig, die Tiere von Geburt bis zum Tod zu begleiten und die Gewissheit zu haben, dass sie ein gutes Leben hatten.

Was haben Sie bisher Besonderes bei der Umsetzung Ihres Projektes erlebt?
Herms: Es kommen immer wieder Leute auf uns zu, die Fleisch bestellen wollen, die schon ungeduldig auf den Eröffnungstermin warten, die sich unser Vermarktungszentrum erklären lassen. Alte Fleischer, die seit Jahren Hausschlachtung machen, kommen und sagen: "Kein vernünftiger Mensch baut heute noch ein Schlachthaus - wegen der vielen Auflagen, EU-Zertifizierung..". Sie sind aber begeistert von der Idee und kommen der alten Zeiten wegen ins Schwärmen. Es macht uns viel Spaß, etwas Neues auszuprobieren und zu lernen. Wir haben das Gefühl, etwas Sinnvolles in der Region, für die Region und natürlich auch für uns und unsere Familie direkt hier vor Ort, wo wir leben, zu bewirken.

Was versprechen Sie sich durch Ihr Projekt?
Herms: Die Erzeugung und Vermarktung vor Ort ist identitätsstiftend für eine ganze Region. Wir haben in der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte beste Voraussetzungen, gesunde, natürlich gehaltene Weidetiere zu liefern, aber kein Schlachthaus im näheren Umkreis. Durch die Errichtung dezentraler Strukturen holen wir uns unsere verlorengegangene Wertschöpfung zurück. Die Gewinne, die sonst zu Großkonzernen fließen, bleiben wieder in der Region. Die Menschen die bei solchen Direkterzeugern einkaufen, stärken die regionale Landwirtschaft, investieren indirekt in neue Arbeitsplätze in der Region, schonen die Umwelt und erhalten im Gegenzug ein gesundes, frisches, unverfälschtes Produkt von dem sie genau wissen: Wo kommt es her, was ist drin. Ein schönes Gefühl.

Quelle: Lokale Aktionsgruppe Uchte-Tanger-Elbe, 2017

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